16.12.2011
Briefe aus Chile 8
Meine Lieben
Abschluss Chile-Schweiz-Winterthur
Vor zwei Wochen bin ich in Kloten gelandet. Nach einer genau Vierundzwanzig- Stundenreise.
Bus bis Santiago, Bus bis Flugplatz, Koffer und Tasche und Rucksack und Laptop und Handtasche mit auch nach Chileerfahrung nur zwei Händen, aber einem breiten Rücken...
Flug bis San Paulo neben einem chilenischen jungen Geschäftsmann, der mir erklärte, warum China als Geschäftspartner so wichtig ist für Chile: Möglichkeit von Konsum für alle und damit Waage von Markt und Nachfrage. Also, das wäre die Erklärung für die Weihnachtsphobie im Supermarkt und die langsam verschwindenden Künstlermärkte, die immer auch mit Kreditmöglichkeiten angeschriebenen Güter und die Labels "Made in China", auf Fernsehapparat bis "Scheisspapier"....
Neue Kontrolle in San Paulo, eine Stunde Warten in der Schlange, zwei Stunden Aufenthalt und Direktflug Zürich, mit Swiss alias Lufthansa, Wein und Toblerone inbegriffen, blasierter Typ, aber Gott sei Dank Schweiger auf Nebensitz, gute Filme, anständiges Essen, warmherzige Stewards, pünktliche Landung, Zollfreiheit.
Käthi Ritter, Theres und Peter Huber, Margrit und Martin Wendel haben mich empfangen. So gut war das, angekommen zu sein. So gut zu wissen, dass ich mich, wo immer ich herkomme, in Arme stürzen kann. Mein Zuhause war adventlich dekoriert mit Kranz und Kerzen. Gebäck und Schokoladen zauberten schweizerische Vorweihnachtsfreude in die gute Stube, Harsch-Engelsgefieder flügelte in allen Räumen, die gemütliche Wärme und die lieben Willkommensgrüsse aus den Bergen von Briefen hüllten mich ein in einen riesigen Freundschaftsmantel..
Die ersten Tage waren schwierig, alles klang noch in Ohr und Kopf und Herz, nachts hustete es, aber da brannte das Paul-Kerzchen im Fenster bei der Türe, sprachen die Stimmen der heissgeliebten Sprösslinge durch den Äther, erzählten die schweigenden Holzfiguren Karl Uelligers, der Sternvisiter und der Abendtöner, von Vergangenem. Es überraschten mich ein Päcklein, ein Türkranz, ein Adventskalender, es klingelte das Telefon...schon war ich wieder da.
Unverdientes Glück, geborgen zu sein, auch an diesem Ende der Welt eintauchen zu können in den mir wieder lieben Alltag.
Nun geht es ans Verdauen, Aufarbeiten, Überarbeiten, Nachdenken. Ich bin Euch allen einfach nur dankbar, das Fortgehen, Fortbleiben, Heimkommen, Ankommen, Bleiben gehören zu mir, dass ich es ganz leben kann, verdanke ich Euch, meinen lieben Freunden.
Eure Maria Tresa/ Marie-Thérèse
Winterthur, 16. Dezember 2008
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