Amy Chua "Die Mutter des Erfolgs" oder
Wie man Kinder zu Höchstleistungen treibt
     
 

07.03.2011

Seit Wochen ist das Buch der Tiger mother auf der Bestsellerliste. Es liest sich schnell und gut, nur: Es gefriert das Herz dabei, und manchmal musste ich nochmals nachlesen, um mich zu vergewissern, dass es sich hier um die leibliche Mutter im Umgang mit ihren eigenen Kinder handelt. Fragen stehen beim Lesen im Raum: Was tut sie da? Was darf eine Mutter und was nicht?
Wir im Westen haben offensichtlich andere Massstäbe, Kind und Welt sind bei uns lebendige Themen in Alltag und Schule. Ein Ort, wo ein Kind sich entwickeln, gedeihen, lachen, spielen und lieben kann, ist der Tiger mother fremd.
Hier ein paar meiner Überlegungen:

Erziehung ist eine Frage der Kultur.
Respekt vor dem Leben, Achtung vor sich selbst, die Würde des Menschen, die Einmaligkeit und Endlichkeit jedes Menschen stellen uns Eltern vor die Aufgabe, unsern Kindern vorzuleben, wie man, seinen Talenten und den Umständen entsprechend, im Leben bestehen kann.

Zeit, Zärtlichkeit und Zoff gehören zum Familienalltag. Die zehn Gebote sind Richtschnur, einfache klare Aussagen, die den Umgang regeln. Die Kinder von klein auf zu lehren, alle und alles zu hinterfragen und damit unbequem zu sein und das auch auszuhalten, ist ziemlich herausfordernd und cool, lies abenteuerlich, aber das macht das Leben allseits interessant und reich. Und darum geht es doch.

Kinder sind Leihgabe, kein Besitz. Kultur ist nicht Verzierung der Gesellschaft, sondern das, was den Menschen ausmacht. Kunst, Literatur, Musik, Theater und Tanz sprechen den Geist über Körper und Seele an und visaversa. Wer von klein auf die Entfaltung der Seelenschwingungen ohne Doktrin, Manipulation, Abrichtung, in seiner Umgebung durchlebt hat, ist sensibel, verletzlich, antastbar. Aber auch zu Höchstleistungen bereit und immer mehr sich selbst.

Maria Tresa Splett-Sialm

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