Frühförderung      
 

07.09.2010

Der Ausspruch der "Vielleicht Bundesrätin" Frau Fehr lässt aufhorchen:
Kinder, die eine Kindertagesstätte besucht haben, bringen grössere Chancen mit, ein Gymnasium besuchen zu können.
Bringen wir's auf den Punkt.
Die Frühförderung des Kindes geschieht in einem normalen Familienleben optimal, nicht einmal die beste Kleinkinderzieherin mag da mithalten. Die meisten Frühförderungsmodelle sind aus der Beobachtung schlechter Vorbilder von Familien entstanden z.B. Verwahrlosung, Unfähigkeit, wirtschaftlicher Notstand. Um den Kindern mit negativ soziokulturellem Hintergrund Chancen im Leben geben zu können, haben grosse Frauen und Männer entsprechende Modelle entwickelt.
Heute steht uns ein immenses Wissen über die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes zur Verfügung. Wer gern liest, kann hochinteressante Berge besteigen und sie auch erfolgreich bezwingen. Eines ist unwidersprochen: Das Geheimnis der besten Förderung ist die Liebe der Mutter zu ihrem Kind, und die kann man weder organisieren noch planen oder kaufen. Sie wird ergänzt durch die ganz andere Liebe des Vaters. Es sind uralte Weisheiten, die in einer Familie weitergegeben werden, das Kind lernt vom ersten Tag an über alle Sinne zu fühlen und zu denken, es entdeckt die Welt, sehend, lachend und lernt Dinge zu erkennen und zu benennen.
Kinder können in einer guten familiären Umgebung in der ihnen entsprechenden Art und Zeit alles selbst lernen und entdecken und brauchen, nachdem sie nun das nötige Alter und Rüstzeug besitzen, den Schulbesuch, um zu erfahren, wie es in der grossen Welt zu und hergeht, wie gemeinsames Planen und Arbeiten angegangen werden kann, und sie haben auch Gelegenheit, täglich zu üben, sich sozial zu positionieren oder zu ertragen, positioniert zu werden. Ein zu früher Sozialisierungsprozess hat oft dieselben Folgen wie die der Verwahrlosung: Bindungsangst, Formelsprache, Formelbilder, geringe Frustrationstoleranz, fremd- und nicht eigen gesteuerte Anpassung, unterentwickelte Eigenwahrnehmung, unterdrückte Agression, Mühe, von sich aus zu entscheiden etc. etc. Von der günstigen Ausgangslage, Teil einer "Manövriermasse" zu werden, will ich schon gar nicht reden.

In einer Familie Kinder grosszuziehen, mit Kindern zu leben ist eine gute Schulung, sich stets auf Neues einzulassen, dem Egoismus die Stirn zu bieten, die Herausforderung anzunehmen, mit Freude und Phantasie an einer uns ungewissen Zukunft zu bauen und Verantwortung zu tragen, dass das Gefüge Familie lust-und leidvolle Zeiten möglichst übersteht. Und der sichere Preis dafür? Lebenssinn, Lebenslust- und Lebensfreude, Lebensgestaltung.

Es gibt keinen besseren Start als das Aufwachsen in der Familie. Was bis zu drei Jahren geschieht, ist für unser ganzes Leben richtungsweisend, bis sieben sind alle Strukturen gelegt, ab sieben Jahre kann man nur noch korrigieren. Die Verunsicherung vieler junger Frauen durch Parteigeschwätz, Frauenpseudoemanzipation, Vorgaukeln von Selbstverwirklichungs-muss und die oft abfälligen Bemerkungen über "Nur-Mütter" sind keine guten Voraussetzungen, jungen starken Familien den ihr berechtigten Platz einzuräumen. Anstatt akribisch Krippen- und Hortplätze zu organisieren, wäre es für Kinder weit erspriesslicher, zukünftige Väter und Mütter zu fördern: geistig und wirtschaftlich, und die jetzigen Eltern zu unterstützen, ebenso geistig und wirtschaftlich.

Maria Tresa Splett-Sialm

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